von Silke Schumacher und Thies Stahl

In einem Interview wurde die Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs1 gefragt, wie glaubhaft die Botschaft der Kirche eigentlich noch sein kann, „wenn man selbst den eigenen Laden nicht so richtig im Griff hat“. Sie antwortete: „Natürlich ist diese Situation, dass wir in den Jahrzehnten, die wir hinter uns haben, das auch in der evangelischen Kirche sexualisierte Gewalt ausgeübt wurde und zwar — ich hab ja sehr viel mit Betroffenen Seit 2011 zu tun — und zwar so, dass es das Leben von Menschen wirklich zerstören kann, diese Schuld wirklich anzuerkennen, diese Schuld und auch das, was damals in den Kirchen wirklich nicht stattgefunden hat, nämlich offen und klar zu diesen [Versprecher im Original] Schuld zu stehen, das jetzt uns natürlich schon über die ganzen vergangenen Jahre sehr herausruft und mich auch persönlich sehr bewegt, dass wir Aufarbeitung, Prävention und Anerkennung von betroffenen Menschen, dass das allem voransteht, auch in der Tagesordnung der EKD, dafür stehe ich ein…“

Nein, das tut Bischöfin Fehrs nicht. Genauso wenig, wie das ihre „Vertuschungsschwestern im Geiste“ getan haben oder noch tun, ihre Vorgängerin, die damalige Ratspräsidentin Kurschus, und die Chefin ihrer Landeskirche, Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt. Diese heuchlerischen Hierarchinnen der Nordkirche und der EKD

von Silke Schumacher und Thies Stahl

Wie kann es sein, dass die ganzen Kirchenmenschen — die Ottensener Pastor:innen Howaldt, Lemme und damals Fenner, deren Propst, Herr Bräsen, deren Bischöfin, Frau Fehrs, und deren oberste Nordkirchen-Chefin, Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt, sowie die sich im moralischen „Schweige-Retreat“ befindlichen Mitglieder des Rates und der Synode der EKD — seit über sechs Jahre wissen, dass 1986 eine Konfirmandin von einem Pastor geschwängert wurde und es keine und keiner von ihnen gewagt hat, öffentlich oder die Betreffende zu fragen, was aus dieser Schwangerschaft und dem Kind geworden ist?

Diese Frage stellt sich mir, Thies Stahl, schon länger: Sind die Kirchenfrauen und -männer, als Folge ihres lauten Schweigens, ihres Dauer-Tabuisierens und ihrer irregeleiteten, das Wohl und Ansehen ihrer Kirche und deren Hierarch:innen über alles stellenden Loyalität mittlerweile so abgestumpft, dass sie gänzlich gottlos geworden sind? Von Gott verlassen, wie die von ihren Leitend:innen erfolgreich geschützten Täter?