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Hellinger Seminar in Athen am 13.-15.09.02. Meine Frau, ihre Mutter und ich kamen wegen eines Streiks der Athener Fluglotsen erst in der ersten Pause an und waren sehr erfreut, in dem recht kleinen Seminarraum noch vier der dicht an dicht gestellten Klappstühle zu finden, auf denen niemand mit Hilfe von Notizen, Kleidungstücken oder anderen Gegenständen Besitzansprüche deutlich gemacht hatte.
Froh, es noch halbwegs geschafft zu haben, setzten wir uns - in gespannter Erwartung auf unsere erste Life-Begegnung mit Hellinger, dessen Arbeit wir nur von den Videos her kannten. Als kurz darauf alle aus der Pause zurückkamen, und uns gerade klar wurde, wie überfüllt der Raum war, und dass es einen Nebenraum gab, in dem diejenigen die Arbeiten Hellingers über einen Monitor verfolgen konnten, die
in dem eigentlichen Seminarraum keinen Platz mehr bekommen hatten, bauten sich drei Frauen vor uns auf und verlangten in
gebrochenem Englisch, dass wir die Plätze frei machen sollten. Sie seien frei gewesen,
entgegneten wir, und nicht wie die anderen mit Sachen belegt. Sie seien zu viert, meinten sie daraufhin, woraufhin ich darauf hinwies, dass wir zu dritt wären und dann ja glücklicherweise noch ein Platz frei
wäre. Nach einigen weiteren Versuchen, ihren vermeintlichen Anspruch durchzusetzen (wir hatten in unserer
"Gerade-Noch-Geschafft"-Befindlichkeit wohl das höhere spezifische seelische
Gewicht...), zogen sie sich in die uns umwogende Menge der mit den begehrten Klappstühlen hantierenden und auf ihnen hin und her rutschenden Seminarteilnehmer zurück -
so verärgert, dass es uns erst zwei Seminartage später gelungen ist, sie zu einem Lächeln zu bewegen.
Den Abend verbrachten wir mit einem der Teilnehmer und dessen Frau, die wir aus
unserer Ausbildung in Systemischer Strukturaufstellung (Varga von Kibéd/Sparrer)
kennen. Als wir mit ihnen den interessanten und anregenden Hellinger Tag
durchsprachen, erzählten wir im Zusammenhang mit den ungünstigen räumlichen Bedingungen auch
von unserem Erlebnis mit den vier Klappstühlen. Wir haben uns dann ausgeschüttet vor Lachen, als wir,
nachträglich und virtuell, den in der Realität eher unversöhnlichen Klappstuhl-Dialog um die
folgenden rituellen Sätze erweiterten:
Du vor mir, ich nach Dir.
Schau freundlich, wenn ich bleibe.
Du warst vor mir - und daher bin ich nach Dir.
Ich schaue in Deine Richtung.
Ich beginne Dich zu sehen.
Ich sehe Dich jetzt.
Ich lasse Dich ziehen - in Liebe.
Hier ist mein guter Platz.
Dein Geschick ist Dein Geschick und meins ist nur das meine. Auf Deines habe ich keinerlei Anspruch - und darum lass ich es jetzt bei Dir - ganz!
Ich achte Dein schweres Schicksal.
Immer wieder, ab und zu, werde ich nach Dir blicken.
Von Dir zu mir, weit her.
Bitte segne mich, wenn ich bleibe.
Du bist einfach nur Du.
Ich nehme es von Dir zu dem vollen Preis, den es Dich gekostet hat und zu dem vollen Preis den es mich gekostet hat.
Es ist gut weitergegangen.
Es soll nicht umsonst gewesen sein.
Du bist der Erste, ich der Zweite.
Ich achte Dich als die Erste.
Du bist die Große, ich der Kleine.
Wir geben Euch einen guten Platz in unserem Herzen.
Ich bin ich und Du bist Du, und da Du Du bist und ich ich, kann ich nicht Du sein und Du nicht ich.
Schade.
Es darf jetzt gut sein.
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www.ThiesStahl.de im Oktober 2002