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Martina war kürzlich im Seminar bei Frank Farrelly (auch in Deutschland) und hatte ihn modelliert, sozusagen in flagranti. Martina machte drei Demos (15 Minuten Module) "Provokatives Coaching" und die Gruppe war, genau wie ich, begeistert. Sie machte es so herzerfrischend, gut und souverän, als hätte sie eine Therapeutenkarriere lang nicht anderes getan. Wir haben uns schlapp gelacht und die jeweiligen Klienten auch, mit physiologisch gut sichtbaren und später überzeugend berichtetem therapeutischem Erfolg.
Da ich Frank Farrelly auch gesehen habe, zuerst 1982 und dann immer mal wieder in Lehr-Videos, und ich seine Provokative Therapie von Anfang an für NLP-kompatibel hielt (einige Elemente sind in meine Prozess Utilities eingeflossen), war es eigentlich nicht überraschend, dass wir daraus gleich eine vertiefende Teachingeinheit gemacht haben: NLP-Prinzipien und -Wohlgeformtheitskriterien für den prozessorientierten Umgang mit Inhalten - mit denen des Klienten, aber gerade eben auch mit den inhaltlichen Einfällen des Therapeuten.
Wir haben eine Struktur und Übungen entwickelt, die es dem Therapeuten/Coach erleichtern, inhaltliche, provokante Einfälle zu bekommen und zu nutzen. Mit dem NLP seit Urzeiten untrennbar verbunden ist ja die Erkenntnis, dass der NLP-Coach/Therapeut inhaltlich nicht zu wissen braucht, was sein Klient gerade als sein Problem bearbeitet, um ihn gut durch den Veränderungsprozess begleiten zu können. In diesem Sinne ist Prozessorientiertheit Ideal und Leitmotiv des NLP. Damit das aber nicht zur zwanghaften inhaltlichen Abstinenz führt, d.h. Inhalte zu fürchten, wie der Teufel das Weihwasser, braucht es noch eine zweite Ebene der Definition prozessorientierten, inhaltsfreien Arbeitens, der eine höhere Stufe prozessbezogener Fähigkeiten des Coaches/Therapeuten entspricht. Das wurde mir in diesem Abschluß-Seminar unserer 3. Coaching-Ausbildung auf eine neue Weise klarer, als ich auf die folgende Definition kam:
Inhaltsfrei heißt frei von den Inhalten zu sein, frei mit Inhalten umgehen zu können, ohne anzuhaften. Der Coach/Therapeut arbeitet dann inhaltsfrei, wenn er bezüglich der Inhalte, mit denen er seinen Klienten hervorlockt, (provocare, lat. = hervorrufen, -locken), alle künstlerische Freiheit der Improvisation behält, d.h. wenn ihm alle inhaltlichen Positionen, die er besetzt, "gleich-gültig" (ein schönes Wort von Martina) sind, er sie weder adoptiert noch von ihnen okkupiert wird. Und das natürlich bei einem Höchstmaß an Prozessorientiertheit insofern, als dass er sich ja fortlaufend an der Physiologie des Klienten orientiert (Rapport, Häufigkeit, Tiefe und Dauer der Trancen, Zunahme der Häufigkeit spontan-symmetrischer Körperlichkeit beim Reorientieren aus den Trancen, Versöhnungsphysiologie, sowie die Zunahme der "allgemeinen Ressourcenhaftigkeit" des Klienten, wahrnehmbar an Phänomenen wie Atmungsmuster, Muskeltonus, Grundrhythmus, Variabilität der Bewegungen, etc. - die bekannten Güte-Indikatoren für inhaltliches Reframing.
Sehr spannend, ich werde sicher mehr darüber berichten.
update 20.08.02
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