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Größenwahn und Marketing
Größenwahn und Marketing
Die Gründer des NLP waren alles andere als bescheiden, wenn es um die Möglichkeiten ihrer neuen "Meta-Methode" ging. Phobien könnten in weniger als einer Stunde kuriert, Kinder
von Lernstörungen befreit und Raucher dem Rauchen entwöhnt werden. Nichts Geringeres als persönliche Vervollkommnung lautete die Verheißung, finanzieller Erfolg inbegriffen. Das Ganze im Schnelldurchgang und ohne Schmerzen oder Anstrengung. Kein Wunder, dass sich die traditionelle Wissenschaftswelt pikiert zeigte. Jahrzehntelange Forschung und Therapieerfahrung im Eimer, mühevolle Studien und Methodenkritik umsonst?

NLP im Business
Was in der Therapie begann, drang schon bald in den Business-Bereich vor. Viele Nachfolger der NLP-Erfinder stehen ihren Vorgängern bis heute in nichts nach und versprechen vollmundig allerlei Wunder. Buchtitel wie "Das Power-Prinzip - Grenzenlose Energie", "Unterwegs zur Vollkommenheit" oder "Die Schatztruhe – NLP im Verkauf" muten esoterisch-kommerziell an. "Es grenzt an Zauberei", schreibt die Hamburger NLP-Trainerin Alexa Mohl in ihrem mittlerweile in siebter Auflage erschienenen Buch "Der Zauberlehrling". Doch wer Wunder verspricht, wird schnell zum Scharlatan. Selbst wenn er was zu bieten hat.

Kurzfristiger Erfolg
Trotz des Marketing-Geschreis und überzogener Verheißungen: Die NLP-Techniken brachten tatsächlich kurzfristigen "Erfolg". In NLP-Seminaren lernte man zum Beispiel, seinen Gesprächspartner in Körperhaltung, Stimmlage oder Wortwahl zu "spiegeln". Beispiel Verkaufsgespräch: Saß der Geschäftspartner zurückgelehnt, lehnte man sich selbst auch nach hinten. Sprach er leise, tat man es ihm gleich. Je besser die Spiegelung, desto besser werde die Atmosphäre zwischen den Gesprächspartnern. Und umso höher die Wahrscheinlichkeit, den anderen "führen" zu können. Böse gesprochen: ihn dazu zu bringen, das Produkt zu kaufen, dem Vertrag zuzustimmen oder schlicht das zu tun, was man von ihm will. Das kam gut an. Und nicht zuletzt diese Techniken des Spiegelns und Führens brachten NLP den Vorwurf der Manipulation ein.

Techniken nach dem Baukastenprinzip
Dagegen bezweifeln Experten den langfristigen Erfolg von NLP: "Das Kritische beim NLP ist, dass man Elemente aus etablierten Therapien herausgegriffen, mit neuen Namen versehen und neu zusammengesetzt hat", sagt Norbert Copray, Leiter der Fairness-Stiftung in Frankfurt - einer Beratungsstelle für Mobbing-Opfer und Führungskräfte, die das Fairplay in ihren Unternehmen verbessern möchten. "Und dann meint man, man könne alles erreichen, wenn man nur die eine Technik erlernt." Oft fehle ein solider psychologischer Hintergrund, zum Beispiel Kenntnisse der Gesprächspsychologie: "Das Problem ist", so Copray, "dass die NLPler im Verkaufsgespräch nur suggerieren, den anderen zu verstehen. Sie stellen eine rein technische Angleichung her, bemühen sich aber keinesfalls, wirklich die Sichtweise des Kunden einzunehmen. Das funktioniert vielleicht bei Klinkenputzern, die 50 Abos in der Woche verkaufen müssen und dem Kunden nie wieder begegnen. Für den Aufbau einer Stammkundschaft ist es kontraproduktiv."


Armin Schroth, Leiter der Akademie für Führungskräfte in Leonberg
Armin Schroth, Präsident der Akademie für Führungskräfte in Leonberg:

Wie entstand der Hype um NLP? Wussten die Führungskräfte zuvor denn nicht, dass die Atmosphäre in Verhandlungen ausschlaggebend für den Erfolg ist?
"Natürlich wussten sie das vorher. Doch NLP war damals einfach trendy, so wie einmal Total Quality Management oder die ISO-Zertifizierung trendy war. Es ging schlicht darum, up-to-date zu sein."

Mit welchen Erwartungen gingen Manager in die Seminare?
"Letztlich ging es darum, Techniken zu lernen, um andere Menschen besser führen und steuern zu können. Das Gefühl der Macht über andere zu erhalten. Im Verkaufsgespräch, in Verhandlungen, in jeder Form zwischenmenschlicher Kommunikation."

Wie nützlich waren die Techniken wirklich?
"Die Techniken waren ok. Nur wirkten sie meist nicht allzu lange, weil die Menschen sie nicht verinnerlicht haben. Nach zwei bis drei Monaten vergaßen sie wieder, den Verhandlungspartner zu spiegeln."
Gesellschafter: Deutsche Telekom AG, McKinsey & Company Inc, Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck GmbH & Co. KG.