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NLP - Wundermittel oder bittere Pille?
21.02.2003
Von Thomas Graf
NLP - Wundermittel fürs Management?
Marktplatz Management-Training: Führungskräfte folgen häufig dem neuesten Schrei auf dem Trainingsbasar wie die Modewelt den Prêt-à-porters. Mit zweifelhaftem Erfolg. Ein Beispiel für den Aufstieg und Fall einer Psycho-Technik: das Neurolinguistische Programmieren.
Die Welle kam mit Verspätung - wie die meisten Neuigkeiten aus den USA. Und auch hier zu Lande löste sie einen Boom aus. Das Neurolinguistische Programmieren (NLP) war die Geheimwaffe der Manager in den 90er Jahren. Kaum ein Karriereführer ohne die drei magischen Buchstaben. Seminaranbieter für Führungskräfte verdienten sich dumm und dämlich. Du willst ein erfolgreicher Unternehmer sein? Kein Problem: Mit NLP wirst du deinen Kunden mühelos überzeugen. Du möchtest deine Führungsqualitäten verbessern? Mit NLP lernst du die entscheidenden Kommunikationstechniken. Heute ist der NLP-Boom vorbei - doch Karriereratgeber verheißen noch immer Erfolg im Schnellverfahren mit NLP.

Eine Erfolgsgeschichte
Ein Hamburger Software-Unternehmer steht vor einem wichtigen Verhandlungsgespräch - ein Großauftrag winkt. Doch die geschäftliche Kälte der Verhandlungspartner macht ihm schon im Vorfeld zu schaffen. Keine leichte Aufgabe, das Gespräch zum Erfolg zu bringen, und er wendet sich an den Hamburger Psychologen Thies Stahl.
Stahl begleitet den Unternehmer zum Gespräch ins Hotel. Während der Fahrt bittet er ihn, sich an frühere Erfolgssituationen zu erinnern. Als Stahl sieht, dass der Unternehmer sich mit Wohlgefallen zurückerinnert, stößt er einen kurzen Pfiff aus. Das Ganze wiederholt er mehrere Male - immer die Kombination aus Erfolgsgefühl und Pfiff.
Wann immer der Unternehmer später im Verhandlungsgespräch Unsicherheit zeigt oder seine Souveränität zu verlieren droht, lässt der Psychologe wieder das Signal folgen. Mit wundersamer Wirkung: Das Gesicht des Unternehmers füllt sich wieder mit Farbe, er vertritt sein Angebot humorvoll und offensiv - und überzeugt am Ende seine Verhandlungspartner.
NLP als Geheimwaffe der Manager
Erfolgsgeschichten wie diese ließen Manager, Vertriebsleute aber auch Pädagogen und Laienpsychologen vom Erfolg per Knopfdruck träumen. Einfach eine gute Stimmung von einst - in der NLP-Sprache "Moment of Excellence" - vergegenwärtigen und mit einem Pfiff oder einem Daumendruck auf dem Oberschenkel "ankern". Die Erfolgsstimmung sei damit gespeichert und jederzeit wieder aufrufbar, indem man den Anker auslöst.

Vom Trend zur Manipulation
Thies Stahl, der NLP Anfang der 80er Jahre aus den USA nach Deutschland brachte, erinnert sich: "Schon in meinen ersten NLP-Seminaren saßen neben Therapeuten auch Menschen aus der Wirtschaft, meist Trainer und Unternehmensberater. Seit den 90er Jahren bilden diese sogar die Mehrheit." 1996 hatte die neue Psychotechnik mit Abstand die meisten Anzeigen in der renommierten Publikumszeitschrift "Psychologie Heute". "Mitte der 90er Jahre war NLP einfach trendy", sagt Armin Schroth, Präsident der Akademie für Führungskräfte in Leonberg. "Jeder wollte eine NLP-Ausbildung machen. Wir selbst hatten drei Trainer eingestellt." Doch mit dem Erfolg mehrten sich auch kritische Stimmen. Von Scharlatanerie war die Rede, Gehirnwäsche und Manipulation. Wo blieben seriöse Wirksamkeitsstudien? - so der Vorwurf der Wissenschaft.

NLP im Jahre 2003
Heute sind die Seminare von Thies Stahl immer noch ausgebucht. Ein eigener Dachverband hat sogar Qualitätsstandards aufgestellt und zertifiziert die NLP-Ausbildung. Fragt man aber in den Personalabteilungen großer Unternehmen nach, läuft NLP meist unter "Ferner liefen". NLP - viel Rauch um nichts?

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